Das Verfugen selbst geht oft schneller als gedacht. Aber danach steht man vor Fliesen, die aussehen, als hätte jemand eine dünne Schicht Staub oder Milch darüber gewischt. Gleichmäßig, matt, kaum abzubekommen. Dieser Belag hat einen Namen, den nicht jeder kennt: Fugenschleier.
Der Begriff beschreibt genau das, was nach dem Verfugen auf der Fliesenoberfläche zurückbleibt – Rückstände aus der Fugenmasse, die beim Einarbeiten über die Fläche gestrichen und dabei nicht vollständig entfernt wurden. Im Grunde ist es dasselbe wie Zementschleier, nur aus der Perspektive des Entstehungsprozesses benannt: nicht der Zement ist das Thema, sondern die Fugenarbeit.
Warum bleibt überhaupt ein Schleier zurück?
Fugenmasse enthält Zement, Pigmente und Füllstoffe. Beim Einarbeiten mit dem Fugbrett oder dem Schwamm wird die Masse in die Fugen gedrückt – dabei verteilt sich zwangsläufig ein dünner Film auf der Fliesenoberfläche. Wischt man zwischendurch mit einem feuchten Schwamm nach, reduziert man die Menge, aber man entfernt nicht alles. Ein Rest bleibt immer.
Dieser Rest trocknet an. Das Wasser verdunstet, die mineralischen Bestandteile – vor allem Kalkverbindungen aus dem Zement – haften auf der Fläche. Das Ergebnis ist der typische matte, leicht weißliche Schleier.
Wie stark er ausfällt, hängt ab von der Fliesenoberfläche, der verwendeten Fugenmasse, der Raumtemperatur und davon, wie oft und gründlich man beim Verfugen zwischendurch abgewischt hat. Auf sehr glatten Fliesen ist der Fugenschleier oft deutlich sichtbarer als auf matten oder leicht strukturierten Oberflächen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Entfernen?
Das ist die entscheidende Frage – und hier machen viele den ersten Fehler.
Zu früh ist genauso problematisch wie zu spät. Direkt nach dem Verfugen ist die Fugenmasse noch nicht ausgehärtet. Wischt man dann zu aggressiv oder setzt zu viel Wasser ein, kann man die frischen Fugen beschädigen oder auswaschen. Die Fugen verlieren ihre Form, Pigmente können sich ungleichmäßig verteilen.
Zu spät bedeutet: Der Schleier hat sich tief in die Oberfläche eingebrannt und lässt sich nur noch mit erheblichem Aufwand entfernen.
Das optimale Fenster liegt in der Regel zwischen 24 und 48 Stunden nach dem Verfugen – wenn die Fugen soweit ausgehärtet sind, dass sie stabil bleiben, der Schleier aber noch nicht zu fest sitzt. Wann genau dieser Zeitpunkt erreicht ist, erklärt der Artikel Wann Zementschleier entfernen nach dem Verfugen ausführlicher – dort sind auch die Unterschiede je nach Fugenmasse und Raumtemperatur beschrieben.
Wie geht man beim Entfernen vor?
Ein frischer Fugenschleier – wenige Stunden alt, Fugen noch nicht vollständig ausgehärtet – lässt sich manchmal noch mit warmem Wasser und einem leicht feuchten Tuch aufnehmen. Das klappt aber nur in einem sehr engen Zeitfenster direkt nach der Arbeit.
Sobald der Schleier angetrocknet ist, braucht man einen säurehaltigen Zementschleierentferner. Der Ablauf:
Fläche vorwässern. Immer zuerst die gesamte Fläche mit klarem Wasser anfeuchten. Das verhindert, dass der Reiniger zu schnell einzieht und ungleichmäßig wirkt.
Reiniger dünn auftragen. Nicht zu viel auf einmal verwenden. Der Reiniger sollte die Fläche benetzen, nicht überschwemmen.
Einwirken lassen. Je nach Produkt und Temperatur zwischen zwei und fünf Minuten. Nicht trocknen lassen.
Abschrubben und abspülen. Mit einer mittelgroßen Bürste leicht nacharbeiten, dann gründlich mit Wasser abspülen. Säurereste auf der Fläche können bei unvollständigem Abspülen selbst wieder einen Film hinterlassen.
Für die Nachbehandlung – also das saubere Abziehen ohne Schlieren – ist ein Gummiwischer eine große Hilfe. Wie man ihn richtig einsetzt, steht im Artikel Fliesen richtig nach dem Verfugen reinigen.
Was ist mit farbigen Fugen?
Ein Punkt, den viele erst im Nachhinein bemerken: Farbige Fugenmassen – anthrazit, beige, braun – hinterlassen einen Schleier, der nicht weiß ist, sondern die Farbe der Fuge trägt. Das sieht auf hellen Fliesen besonders störend aus, weil die gesamte Fläche leicht eingefärbt wirkt.
Die Behandlung ist dieselbe wie beim klassischen weißlichen Fugenschleier. Allerdings sollte man bei farbigen Fugen nach dem ersten Reinigungsdurchgang prüfen, ob die Fugen selbst sauber geblieben sind – zu intensives Schrubben kann bei noch nicht vollständig ausgehärteten Fugen die Oberfläche der Fuge aufrauen.
Der Fugenschleier ist lösbar. Er gehört zum Verfugungsprozess dazu und ist kein Zeichen schlechter Arbeit – sondern einfach ein Schritt, der nach jeder Verfugung anfällt.